Donnerstag, 11. August 2011

Abgesang!

Es ist soweit. Nur noch wenige Tage trennen mich von Deutschland. Einerseits ist das spannend: Ich weiß irgendwie schon, was mich erwartet, aber doch nicht so wirklich. Und andererseits kann ich mich noch gar nicht richtig hier loslösen. Heut war ich ein bisschen außerhalb von Pune am Sinhagad Fort und dort ist es während der Regenzeit so schön grün und ganz urwaldig, dass ich es mit solcherlei Ausflügen noch eine ganze Weile hier aushalten könnte.

Mein erstes Resumée lässt sich mit drei Fragen beantworten:

Was ging in diesem Jahr verloren?

1 Paar Trekkingsandalen
1 Taschenmesser
1 Badeanzug + Handtuch + Deutsches Deo + 1 Tube Elmex samt Zahnbürste
5 Ohrringe
ca. 5 Paar Socken
1 Portemonaie + ca. 150 €
1 Führerschein
3 Kreditkarten
1 Scooter-Registrierungskarte
1 Sonnenbrillenglas
1 indische Sim-Karte
1 10-Yen-Münze
2 Regenjacken
1 Regenhose

Eigentlich bin ich darauf ja nicht besonders stolz, aber dies soll auch als Hinweis dienen. Bitte, liebe Leute da drüben:Passt auf, dass ich auf meinen Kram aufpasse, wenn ich wieder bei euch bin!

Was beinahe verloren ging, waren im Übrigen eine Tasche mit Portemonaie, Reispass, Handy etc., , eine Sonnenbrille, ein Schal, ein nagelneues Handy etc. Glücklicherweise konnten diese Verluste aufgrund von wachsamen Augenpaaren meiner Mitmenschen vermieden werden. Hiermit bedanke ich mich bei allen, die auf mich und meine (Wert-)Sachen im vergangenen Jahr so gut wie möglich aufgepasst haben.

Was wird bleiben?

Viele, unheimliche viele schöne Erinnerungen. Einige weniger schöne Erinnerungen und das Gefühl, dass ich hier wirklich was geleistet habe. Zwar in erster Linie für mich selbst und weniger als "Entwicklungshelferin für Indien", aber immerhin. Ich glaub ich habe mich wirklich ein wenig verändert, aber seht und erfahrt es selbst, wenn ich zurück bin.
Ich werde vieles hier vermissen: Einige sehr liebgewonnene Menschen, Pune im Allgemeinen, das verrückte Land, den besonderen Himmel, die Farben, die Gerüche, den Verkehr, das Motorroller fahren, das Obst, die Straßenstände, das Mitbringsel-Shopping und vor allem das Indiengefühl - einfach unbeschreiblich.

Was wird kommen?

Das bleibt die große Frage. Ich bin gespannt, wie es da drüben aussieht. Ich habe bestimmt so vieles, was ich an der Heimat bisher schätzte, vergessen und werde sicher mit einem skeptischen etwas entfremdeten Blick ankommen und erstmal ganz vorsichtig alles beschnuppern, ehe ich mich wieder in den Alltag stürze.

Und somit beende ich meinen kurzen Diskurs mit den letzten Worten eines meiner Lieblingstheaterstücke aus alten Zeiten, der Odyssee: Ich weiß ja nicht, was jetzt noch kommt...

Freitag, 8. Juli 2011

Im Hohen Norden in Sikkim und Darjeeling - Ein kleiner Rückblick


Die Zeit rennt. Nein, sie sprintet! Es sind schon wieder fast fünf Wochen vergangen seit ich aus meinem letzten längeren Urlaub zurückgekommen bin und es sind nicht einmal mehr fünf Wochen bis ich zum (vorerst) letzten Mal in ein Flugzeug am Pune Airport steigen werden. 

Mit den Gedanken bin ich mittlerweile schon eher auf der Heimreise, als noch im Himalaya. Das liegt aber absolut nicht daran, dass die zwei Wochen im Norden Indiens nicht ausreichend beeindruckend waren. Ganz im Gegenteil! Dieser letzte Urlaub war für mich definitiv nicht nur höhenmetertechnisch ein kleiner Höhepunkt meines Indienjahres.
Schon die An- und Abreise hat die vorherigen Urlaube weit in den Schatten gestellt. Mit einer kleinen Auflistung der in den entsprechenden Verkehrsmitteln verbrachten Reisezeit versuche ich euch das Ausmaß unseres Reisemarathons möglichst authentisch zu vermitteln… J

30 min – Roller: Von meiner Wohnung zu Jana und Franzi (meine zwei Mitreisenden)
15 min – Rikscha: Zum Flughafen
5 h – Flugzeug: Von Pune nach Kolkata
1h – Taxi: Vom Flughafen zum Busbahnhof
17 h – Non A.C. Bus (extrem, extrem, extrem ekelhaft schmutziger Bus): Von Kolkata nach Siliguri
6 h – Jeepgeholper: Von Siliguri nach Yuksom

Man  kann sich unschwer vorstellen, dass diese Fahrt war wirklich kein Zuckerschlecken war, ganz besonders nicht für Menschen mit schwachen Blasen ;-) Aber die Strapazen haben sich wirklich mehr als gelohnt!

Sikkim liegt ganz im Norden Indiens an der Grenze zu Nepal und Tibet. Die Schweiz-verrückten Inder nennen Sikkim auch „Switzerland of India“. Ich kann euch sagen das ist wirklich ein riesiges Kompliment an die Schweiz! Sikkim ist wunder-, wunderschön:
Hügel, Berge und Gebirge so weit das Auge reicht, schmale, holprige Straßen verbinden kleine Dörfer mit bunten Holzhäuschen, bunte buddhistische Gompas, glatzköpfige Mönche in orangefarbenen Roben und natürlich viele, viele tibetische Gebetsflaggen. Diese ländliche Idylle ist wirklich absolutes Kontrastprogramm zum schmutzigen Pune.
Von Yuksom aus sind wir mit einem Führer, Koch, diversen Handlangern und Packpferden dann für fünf Tagen durch das Himalayagebirge gewandert. Ich habe in meinem Leben glaube ich noch nie etwas so Beeindruckendes gesehen wie die schneebedeckten Gipfeln der 8000er Gebirgskette!
Auf dem Rückweg nach Kolkata haben wir dann noch einen Abstecher in die Teehauptstadt Darjeeling gemacht. Dort haben wir kräftig Andenken eingekauft, Klöster besichtigt und sind mit der Schmalspureisenbahn gefahren.
Aber  weil Bilder einfach mehr sagen – hier ein paar Eindrücke aus 14 wunderbaren, eindrucksvollen Tagen im hohen Norden:





Dienstag, 5. Juli 2011

PRAYATNA nach der Sommerpause

In unserer Einsatzstelle hat sich während der Sommerpause so Einiges getan. Nicht nur die vielen neuen Lehrer und Helferinnen überforderten uns in den ersten Tagen ein wenig. Auch die Klassenverbände wurden verändert und das ganze Haus + Nebengebäude umgestaltet. Das heißt, es gibt jetzt 4 bis fünf neue Lehrerinnen, ca. 10 neue Schüler und viel mehr Platz.
Leider gibt es auch ein wenig Schwund. Farrah, eine der jüngsten und am besten ausgebildeten Lehrerinnen hat uns letzte Woche aufgrund von Hochzeitsplänen und familiären Krankenpflegeverpflichtungen verlassen und der kleine Kumar, ein ziemlich schlauer 6-jähriger Down-Syndrom-Junge wurde von seiner Mutter in ein Heim gegeben und wird wohl auch nicht wieder in die Schule zurückkommen. Dafür sind unter den neuen Schülern so einige Härtefälle, die nicht so recht unter Kontrolle zu bringen sind. Einige Lehrer und auch die Chefinnen sind da ziemlich traditionell und schlagen schnell zu, gerne auch mit allem, was gerade so rumfliegt. Es macht nicht besonders viel Spaß bei solchen "Prügelaktionen" daneben zu stehen und zuzusehen, vor allem, wenn man weiß, dass man damit gerade bei autistischen und extrem hyperaktiven Kindern gar nichts erreicht. Leider wissen wir auch nicht in wie weit wir das ganze tolerieren sollen, oder ob man sich als Freiwillige einmischen darf. Im Großen und Ganzen macht der Unterricht aber einen guten Eindruck und man merkt, dass man sich sehr bemüht sinnvolle Unterrichtseinheiten zu gestalten und ein Schulkonzept zu entwickeln.
Das Büro der Chefinnen befindet sich direkt neben der Küche, damit die drei Grazien den beiden Mauschis (Sunita und Shenaz) immer schön in die Töpfe gucken können. Hier wird auch gerne mal ein wenig gestritten, gemeckert und getratscht, weil ja jeder alles sowieso besser weiß als alle anderen.
Bastelstunde mit Nandini. Das ganze Jahr über werden in den Klassen aus alten Zeitungen und Zeitschriften PaperBags hergestellt, die dann im Einzelhandel zur Verwendung kommen. Das ist in Indien sehr im Kommen und gehört in sämtlichen Behinderteneinrichtungen zur Standardbeschäftigung.

Semran ist neu in der Schule und in der Special Care Unit. Hier wird sie mit drei weiteren schwerbehinderten Schülern vor allem mit sensorischen Reizen beschäftigt, was mal mehrund mal weniger gut gelingt und recht anstrengend ist.

Die Kinder in der Transition Class lernen Lesen, Schreiben und Rechnen und seit Neustem dürfen sie auch hin und wieder an den zwei Schul-Computern Spiele spielen und Wörter und Sätze abtippen.

In den zwei Vocational-Gruppen wird vormittags erstmal eine Stunde lang Gemüse gewaschen, geschält und geschnippelt, bevor die Köchin Shenaz alles in sehr leckeres indisches Essen verwandelt.

Die kleinsten Schüler sind in der Reception Group und haben im neuen Haus endlich einen recht großen und kindgerecht eingerichteten Raum, in dem sie spielen und eine Art Vorschulunterricht erhalten.

Montag, 4. Juli 2011

Die IASN - Was und wie war das jetzt eigentlich?!


Der ein oder andere wird sich vielleicht aus einem älteren Blogeintrag noch an diesen Namen oder die “internationale” Konferenz erinnern. 

Seit Monaten hatten wir das Internet nach Ärzten, Spezialisten, Forschern, Hilfsorganisationen und Therapeuten durchforstet um sie zu dieser Konferenz einzuladen. Eine Aufgabe, die manchmal eine kleinen detektivische Herausforderung darstellte, da die Kontaktadressen dieser Personen gar nicht so leicht ausfindig zu machen waren.
Wir wussten während dieser Phase der Vorbereitung selbst nicht zu was genau wir da eigentlich Einladungen verschickten und wie sich Dr. Oswal und Prasad die Konferenz genau vorstellten.  Wir tappten im Dunklen und hofften darauf, dass uns Prasad noch früh genug in seine Visionen einweihen würde. Immerhin hatte es einmal geheißen „Ihr könntet eine internationale Konferenz organisieren" und ohne weitere Informationen fiel es ein wenig schwer bei der Planung mitzuwirken.
Die Konferenz rückte immer näher, es flatterten ausschließlich Absagen in unser Postfach und unser Ansprechpartner Prasad war in der Schweiz unerreichbar.

War das wochenlange E-Mailadressen sammeln und E-Mails verschicken nur eine leere Freiwilligenbeschäftigungsmaßnahme gewesen? 

In der Woche vor der Konferenz musste ich Prasad mehrmals anrufen um zu erfahren, dass alles geplant sei und ich bei der Vorbereitung nichts mehr helfen müsse - nur kommen solle ich (Caro, die Glückliche, war zu der Zeit mit ihrem Vater in Nepal unterwegs).
Außer der Information, dass Dr. Oswal, ein Gastsprecher aus den USA und „some indian doctors“ sprechen würden wusste ich also nicht so Recht was mich an diesem Samstagmorgen erwarten würde...

Nun ja, der Gastsprecher aus den USA entpuppte sich als ein Patientenvater, der regelmäßig nach Indien reist, da seine Tochter mit G-Therapy behandelt wird. Er selbst ist Ergotherapeut und stellte in seinem „Vortrag“ die Behandlungsmethode einer anderen Ärztin vor. Die „some indian doctors“ war EIN Neurologe aus Pune, der über die Entwicklungsmeilensteine von Kindern sprach. Zum Abschluss stellte Dr. Oswal dann noch seine homöopathische G-Therapy und deren Erfolge vor. Zur Krönung führte er dann seine großen Erfolge vor: 
Zuerst präsentierte er ein„Vorher-Video“ auf Leinwand um danach die Kinder in den Saal marschieren zu lassen, damit sich die Gäste höchstpersönlich von den Behandlungserfolgen überzeugen konnten. Ein roter Faden war in diesem Programm nicht wirklich zu erkennen und nach einem, im Wartezimmer servierten, Lunch war der Spuk vorbei. 
Zum Glück! Ich habe mich während der ganzen Veranstaltung sehr unwohl um fehl am Platz gefühlt.
Immerhin war der Vortragsraum gut gefüllt. Das Publikum war eine bunte Mischung aus bekannten Ärzten, Therapeuten und Patientenfamilien. 
Das wochenlange Sammeln von Adressen und Verschicken von E-Mails hätten wir uns wirklich sparen können! Prasad meinte nur, dass man jetzt auch auf internationaler Ebene schon mal vom Center und der Konferenz gehört hätte, das spreche sich nun herum und beim nächsten Mal kämen dann schon einige internationale Gäste.
Ich hege da ja so meine Zweifel und war einfach froh, dass ich mit dem Wissen nach Hause gehen durfte, dass die Sommerferien in der Prayatnaschule endlich vorbei waren. 

Unseren letzten Arbeitsmonat werden wir jeden Tag in der Schule sein und nur an zwei Nachmittagen ins Center gehen um unsere letzten beiden Aufgaben zu Ende zu bringen: Ein Wandbild für den Warteraum und eine Informationsbroschüre für Patienten aus dem Ausland. So werden immerhin zwei Dinge unserer „Arbeit“ bleiben.

Freitag, 3. Juni 2011

Das wichtigste Ereignis im Leben der InderInnen


Heiraten
Leute, die in Indien nicht bis dreißig unter der Haube sind, werden meist etwas schräg angeschaut. Das ist nicht normal. Daher sind die meisten Veranstaltungshäuser für große Ereignisse wie dieses auch bis zu zwei Jahre im Vorraus ausgebucht. Das hab ich mir auf der Hochzeit von Alisha, einer guten Freundin aus Pune, sagen lassen.
Zu dieser Festivität war ich vor Kurzem eingeladen und durfte eine echte Love-Marriage miterleben. Sehr viel weniger verkrampft als die, die ich mit Jana in Jarkhand besucht habe.
Nur ein paar wenige Zeremonien, dafür aber viel zu Essen und ein strahlendes Paar. So, wie sich das gehört. Das einzig verrückte: das Ganze begann 7 Uhr morgens, wenn alle Inder normalerweise noch gemütlich in ihren Kojen liegen. Und das alles wegen des "Glücklichen Zeitpunktes", der von einer hinduistischen Priesterin astronomisch berechnet und auf 9:15 Uhr festgelegt wurde. Na ja, was man nicht alles für gute Freunde tut.

Zuerst lässt man sich mal auf einer der Vorzeremonien blicken und wenn man möchte bekommt man mit Hennapaste ein hübsches Mendhi auf Hand und Arm gemalt.
Bei der Braut dauert das ungefähr einen kompletten Tag mit Komplettverziehrung von Armen und Beinen.
Dann gibt es am Festtag eine Fotosession mit mehreren Fotografen und Kamerateam.
Anschliessend zwei bis drei Stunden aufwendige Zeremonien, bei der die ganze Hochzeitsgesellschaft ein wenig eingeräuchert wird.
Und zum Abschluss mindestens eine Stunde lange Fotos mit allen Gästen und in den verschiedensten Familienkonstellationen. Auf hiesigem Bild die deutschen Freunde des Paares: die ehemaligen Gasteltern vom Bräutigam (drei Monate Sommer-Uni in Düsseldorf) und ich :-)

Im Großen und Ganzen eine schöne Veranstaltung, bei der ich erleben durfte, wie unterschiedlich Hochzeiten in Indien sein können.

Was die Zukunft bringt:


Derzeit verändert sich doch so einiges in Pune. Seit geraumer Zeit gibt es unheimlich leckere, immer größer und billiger werdende Mangos zu kaufen. Leider hat diese Veränderung nicht nur Gutes an sich, weil die Mango-Saison gleichzeitig auch die Regenzeit ankündigt und die kommt dieser Tage ziemlich heftig daher. Während es in der vergangenen Woche lediglich kurze, wenig spektakuläre Regenschauer gab, ist seit gestern der Teufel los. Irgendwann am Nachmittag fängt es an mit allem was dazu gehört: Blitz, Donner, Wind und lange Bindfäden, die vom Himmel fallen.
Ob es heut noch aufhört, wage ich zu bezweifeln. Das einzig Gute: die Temperaturen fallen auf angehme 25 °C. Das wirklich schlechte: Der Strom wird sehr viel häufiger ausfallen und gestern hatte ich zum ersten Mal für 24 h kein Wasser.

Und das in einer Stadt, die als eine der modernsten und am weitesten entwickelten Städte in ganz Indien gilt und immer weiter wächst und wächst. Im Reiseführer von 1989 ist Pune mit einer Bevölkerungszahl von 900 000 Einwohnern verzeichnet. Heute kann man locker von 4,5 bis 5 Mio. Menschen ausgehen. In den Aussenbezirken wird kräftig aufs freie Feld gebaut, neue Straßen entstehen und in den beliebten Wohngegenden stopft man auch noch die letzte Baulücke zu. Leider nicht immer erfolgreich. Es gibt unzählige Baustellen, auf denen die Wanderarbeiter aus ganz Indien für wenig Bezahlung und mit teilweise sehr primitivem Gerät schuften. Auch die Zahl der Bauruinen ist hoch. Viele Häuser und vor allem die Shopping Malls in den Aussenbezirken werden viel zu überdimensioniert geplant, die Ladenmieten sind zu hoch und somit sind sie größtenteils völlig verwaist. Was in der Zukunft mit all diesen Häuserruinen und dem, was derzeit auf die grüne Wiese gesetzt wird, passiert, lässt sich aus heutiger Sicht nur schwer vermuten. Da es hier wohl auch keine znetrale Stadtplanung gibt, werden die neu entstehenden Stadtteile in ihrer Straßenführung wohl irgenwann genauso chaotisch aussehen, wie der Rest Punes. Hoffentlich wird wenigstens die Wasser- und Stromversorgung nicht schlechter.

Dienstag, 31. Mai 2011

Cats and Dogs


In Pune kündigt sich langsam aber sicher die kommende Regensaison an. Es wird nachts kühler, der Wind pfeift um die Häuser, hin und wieder bildet sich ein drückender Wolkenteppich am Himmel, der sich in kurzen Regengüssen entlädt und das trockene Klima endlich vertreibt. Der "mango-rain", welcher viele frische leckere Mangos mit sich bringt!
Jana ist gerade in den Bergen zwischen Darjeeling und Sikkim unterwegs und schlürft wahrscheinlich gerade eine schöne Tasse heißen frisch aufgebrühten Tee, nachdem sie einige Tage in den Bergen herumgekraxelt ist, während ich am anderen Ende Indiens die Stellung halte und meinen eigenen Urlaub vorbereite.
Da es derzeit sehr ruhig hier in Pune ist und die meisten anderen Freiwilligen während der hiesigen "Sommerferien" vereist sind, widme auch mich anderen Beschäftigungen als dem schnöden Herumsitzen im Center.
Vergangene Woche war ich beispielsweise vom Rotary-Club zu einem kleinen Gast-Vortrag in der Faculty of Management Sciences (mitten auf dem Feld in den Western Gats aus dem Boden gestampft) eingeladen, wo ich den Studenten, die meisten aus dem "Cow-Belt" stammend (also dem ländlich geprägten Kuh-Gürtel Punes), über den Nutzen und die Vorteile des Theaterspielens in Zusammenhang mit Management aufklärte. Eine sehr interessante Veranstaltung - diese unbedarften wissbegierigen Augenpaare, die mich da anstarrten. Ich hab nicht die leiseste Ahnung, wie aus diesen Menschen innerhalb von drei Jahren "Manager" und Betriebsleiter gemacht werden sollen, aber mittels ordentlicher Gehirnwäsche ist in Indien glaub ich so ziemlich alles möglich.
Meine zwei Begleiter vom Rotary-Club waren dafür umso Westlicher und Aufgeklärter. Sarfaraz, den Jana und ich über unsere Schule kennengelernt haben, hört beispielsweise nur europäische Schmuse-Songs und war schon mehrfach in Europa, unter anderem zum Schüleraustausch in Lyon und auch seine Begleiterin schätzt den westlichen Lebensstil und ließ es sich auch nicht nehmen, ein bisschen über die kleinen Studenten und deren dörfliche Herkunft abzulästern. Sie wolle die auf jeden Fall mal richtig hart ran nehmen und denen richtiges Sprechen beibringen. Da musste ich irgendwie ein bisschen schmunzeln, weil auch diese gute Frau kein akzentfreies Englisch sprach. Das Witzigste war ihre Reaktion auf den plötzlich einsetzenden Regen auf der Hinfahrt. Sofort rief sie ihre Tochter an, fragte ob denn alles okay sei und wiederholte mindestens zehnmal: "It's raining cats and dogs here, you won't believe: cats and dogs!" Als wir zurückfuhren rief sie erneut zu Hause an und erkundigte sich, ob es denn jetzt auch in Pune schon cats and dogs geregnet hätte und als sie erfuhr, das die ganze Wäsche nass geworden sei, bekam sie gleich einen Anfall, weil sie ja jetzt nicht wisse, wie die wieder trocken wird.
Ja, ja die indische Service-Kultur: Jeder hat mindestens eine/n Bedienstete/n zu Hause, der/die jeden Tag kommt, die komplette Wohnung putzt und wischt, Geschirr abwäscht, Wäsche wäscht, aufräumt und womöglich noch für die ganze Familie kocht. Und das Ganze zum Schnäppchenpreis von 20/30 € im Monat.
Und wenn mal irgendwas Unerwartetes passiert, dann gibt es gleich Chaos oder man sagt dann einfach: "Ach lass das da alles so stehn und liegen. Das macht dann morgen die Putzfrau weg."

Na ja, so viel zum alltäglichen Leben in Indien. Es wabert so vor sich hin und wenn ich in knapp drei Wochen wieder aus dem Urlaub in Nepal zurückkomme, habe ich noch genau zwei Monate, bis es wieder zurück geht in die Heimat. Ein komisches Gefühl, aber auch ein gutes...

Montag, 9. Mai 2011

Bloggst du noch oder lebst du schon?

Gute Frage. Ja, also die letzten Wochen waren in der Tat mal wieder voller Erlebnisse, die es zu er- und durchleben gab.

Direkt im Anschluss an das verlängerte Entspannungswochenende in Goa stand mal wieder ein Umzug und alles was so dazu gehört auf dem Programm.
Nachdem wir über ein halbes Jahr auf so engem Raum zusammen gewohnt und gearbeitet haben, haben wir entschieden uns für die letzten Monate ein eigenes Zimmers und mehr Freiraum zu gönnen.
So bin ich, Jana, nach Goa als erste aus unserer kleinen 1 BHK-flat ausgezogen. Ich wohne jetzt gemeinsam mit drei weiteren Mitbewohnern in einem Reihenhaus zwei Rollerminuten von der alten Wohnung entfernt.

Nach der ersten Eingewöhnungsphase fühle ich mich dort mittlerweile sehr wohl und habe es wirklich zu schätzen gelernt Zeit für mich zu haben.
Caro hält grade noch Stellung in unserer alten Wohnung bis auch sie was Passendes gefunden hat.

In den darauf folgenden Wochen stand für mich der Besuch meiner Familie an und auch Caro war mit ihren zwei Theaterprojekten und versuchten Urlauben sehr beschäftigt :-)

Na und Arbeit gab es ja nebenher auch noch ein bisschen...



Die IASN - Integrative Approaches for Special Needs Conference

Die schon öfters erwähnte internationale Konferenz - die IASN - in unserem Center rückt nun auch immer näher!
Am 10. und 11. Juni ist es soweit. In den letzten Wochen haben wir fleißig und ein bisschen ziellos Einladungen an Institute, Ärzte, Krankenhäuser und Verbände verschickt.

Nach und nach trudelten viele, viele Absagen herein. Und die erfreuliche Zusage aus Osteuropa wurde auch wieder zurückgezogen - aus Angst vor Tsunamis und Naturkatastrophen - so die Begründung.


Mal schauen wie die Planung nun weitergeht wenn Prasad heute aus der Schweiz zurückkommt. So recht können wir uns grade noch nicht vorstellen wie diese Veranstaltung dann aussehen wird. Wir werden sehen.

Der Link zur IASN- Seite

Sommerworkshop in der Prayatna-School


Während der zweimonatigen Sommerferien veranstalten gerade zwei Mütter einen freiwilligen Sommerworkshop, an dem die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern teilnehmen können.
Der workshop ist wirklich eine willkommene Abwechslung im Arbeitsalltag. So waren wir letzte Woche mit der workshop-Gruppe im Schwimmbad, es wurde getöpfert, gespielt, gebastelt und zu Musik gemalt.




Es war richtig schön zu sehen wie manche Kinder im Beisein der Mütter/Väter (ja, sogar ein Vater war mit von der Partie) erst so richtig aufblühen




Wir sind schon gespannt und freuen uns darauf wie es diese Woche weitergehen wird!


Familienurlaub da wo der Pfeffer wächst - Kerala

Über Ostern hatte ich Besuch von meinen Eltern und Leonie. Ich war ziemlich aufgeregt meine Familie nach 8 Monaten wiederzusehen, dazu noch ich "so" einem Land... Es war unglaublich wie schnell es sich normal angefühlt hat mit meiner Familie durch Pune zu streifen.
"Beim Mittagessen war's noch komisch und beim Abendessen schon ganz normal"
....um es mit Leonies Worten auszudrücken :-)
Ich hab diese zwei Wochen Familienzeit total genossen. Es hat mir Spaß gemacht ihnen "meine" Stadt Pune und mein indisches Leben zu zeigen.
Und unser gemeinsamer Urlaub im sündindischen Bundesstaat war einfach traumhaft schön: Portugiesisch angehauchte Kolonialbauten, chinesische Fischernetze,Meer, Strand, Palmen, Tempel, Kirchen, Berge, Wasserfälle, Tee- und Gewürzplantagen....








Montag, 11. April 2011

Schon lange nix mehr gehört? Na das liegt wohl an den vielen Urlauben, die hier unseren Alltag durchschneiden und das wird in Zukunft nicht anders sein. Jana bekommt am Wochenende Besuch von ihrer Familie und ist zwei Wochen aus dem Haus (unter anderem in Kerala) und ich werd direkt im Anschluss einen kleinen Ausflug nach Südindien unternehmen.

Zur vergangen Woche brauch in vielleicht gar nicht viel zu sagen. Da sollten die Bilder für sich sprechen. Goa ist einfach Goa: Strand, Sand, Meer, Hitze, Palmen, Fisch, kitschige Sonnenuntergänge und immer ein wehendes Lüftchen, in dem sich besonders viele ausländische Touristen in Bikinis, knappen Hosen und einschneidenden Oberteilen tummeln.

Da ich bisher noch gar nicht weiter von meiner Rajasthanreise berichtet habe, sind jetzt auch einige Bilder hier zu bewundern. Im Großen und Ganzen eine sehr schöne Reise mit unzähligen neuen Eindrücken aus diesem riesigen Land und einer schönen Zeit mit meiner Schwester und meiner Mutter.

Wenn ich mir die vielen bisher gemachten Fotos anschaue, wird mir übrigens auch bewusst, wie vielfälltig Indien ist und, dass man hier innerhalb eines Landes sehr günstig reisen kann und dabei sämtliche Landschaftstypen der Erde zu sehen bekommt. Das macht unseren Aufenthalt umso spannender :-) und man möchte mit dem Herumfahren fast schon nicht mehr aufhören, aber das müssen wir ja nicht:
Kerala ruft, danach gehts noch in den hohen Norden Richtung Sikkim und hier in der Region haben wir auch noch einige schöne Berglandschaften, die eine Wanderung wert sind.

Dienstag, 22. März 2011

It's burning!

Guten Morgen liebe Sorgen!

Na auch schon eingeloggt? Dann gibt's jetzt einen exklusiven Tages- und Kliniks-Zwischenbericht:

1. Morgens ganz unschuldig und unwissend aufgestanden, gefrühstückt, Brote geschmiert und ab die Post zur Arbeit...

2. Die Sekretärin war heut zur Abwechslung mal pünktlich, also keine Wartezeiten auf Schlüssel und co.

3. Niemand weit und breit zu sehen, ausser unser geschätzter Kollege Kapil: unsere heißeste und derzeit überaus überschäumende Informationsquelle!

4. Kurzer Plausch mit der Informationsquelle:

Ich hatte mir gestern mal erlaubt nach einer Bohrmaschine zu fragen, um in unserem Schlafzimmer ein Loch fürs Moskitonetz in die Wand zu bekommen. Kapil berichtete uns dann heut morgen, dass er den Chef gefragt habe und der ihm erzählte, die Bohrmaschine wäre nicht da und wir könnten sie nicht haben. Kapil hatte sie aber selber oben im Privatbereicht von Dr. Oswal plaziert und konnte sich noch gut daran erinnern. Der Chef hatte ihm außerdem aufgetragen, uns mizuteilen, dass es keine Bohrmaschine gäbe. Warum das? - fragt man sich nun. Keine Ahnung! Wir hätten sie auch nicht kaputt gemacht, sondern uns professionelle Hilfe vom Hausmeister geholt. Na ja, Kapil wird das Ding wohl jetzt illegal aus der Klinik schmuggeln ... hat er mir am Ende noch versprochen!

5. In der Klinik brennt's!
Das Gespräch war natürlich noch etwas länger. Man hat ja am Vormittag nicht viel zu tun, wenn es so ruhig und menschenleer im Center ist.
Kapil kriegt da unten eine Menge mit und dass hier so Einiges nicht stimmt, haben wir ja bereits mitgekriegt, aber was heut noch an Informationen hinzukam, war für meinen von der Hitze schon ziemlich geschädigten Kopf leicht überfordernd. Die Familie Oswal scheint sich im Großen und Ganzen untereinander nicht wirklich grün zu sein und Dr. Oswal ist wohl einer der schwerwiegensten Gründe dafür. Was er da genau macht, weiß sowieso keiner. Seine Tochter Pooja hat laut Kapil selbst nicht wirklich viel Ahnung von der G Therapy und fragt bei jedem Patienten erstmal ihren Vater, bevor sie ihn behandelt. Der Schwiegersohn ist sowieso nur hier, weil er der Schwiegersohn ist, gibt generell keine G Therapy, wenn Patienten zu ihm kommen und verbringt den größten Teil des Tages wenn möglich in seiner eigenen schicken Klinik, die auch etwas zentraler in unserem Stadtteil gelegen ist. Vater und Sohn Oswal verstehen sich angeblich gar nicht gut, weshalb Prasad auch sein Büro im Center schon seit einigen Jahren nicht mehr wirklich nutzt und überhaupt kriegen alle Patienten die gleiche Medizin und nur ein Zehntel der Ingridenzien in den Schränken der Medizinkammer wir überhaupt genutzt.
5. Noch Fragen? - Ja, ich auch nicht. Mir reicht das erstmal für heute. Aber schön war er doch, unser morgendlicher Plausch. Gerne wieder! Vielen Dank, Kapil :-)


Montag, 21. März 2011

Im Rausch der Farben ?

Seit einer Woche tönt es von überall „we will play Holi this weekend“. Es steht mal wieder eines der vielen hinduistischen Feste vor der Tür.
Aber was ist Holi eigentlich?
Jedes Jahr wird im Hindu-Monat Phalugna (Feb./März) zu Vollmond Holi gefeiert. Mit dem Farbenfest soll der Winter endgültig abgestreift werden und mal wieder der Sieg des Guten über das Böse gefeiert werden. Die zweite Beschreibung scheint eine universale Begründung für jedes Fest zu sein. Wenn man sich genauere Informationen erhofft muss man schon eher Google zur Rate ziehen.

Zu Holi begrüßen sich die Menschen mit pinker und roter Farbe, die sie sich auf Kopf und ins Gesicht stäuben. Die wildere Variante ist das Auflösen des Farbpuders in Wasser… Wasserspritzpistolen sind seit Anfang der Woche im Handel und der Reiseführer rät: Alte Klamotten tragen und den Kopf rechtzeitig einziehen.

So viel zur Theorie. Man muss wohl kaum erwähnen, dass wir ganz schön gespannt waren, was uns am Sonntag so erwarten würde.
Den Holi-Sonntag haben wir bei Ashish verbracht. Die Einwohner der Society haben dort im Hof ein kleines Holi Fest organisiert. Bei netter Garagen-Feten-Athmosphäre wurde man dann von jeder einzelnen Person im Gesicht mit Farbpulver eingerieben und bekam ein freunliches "HappyHoli" entgegengeschmettert.
Wer eine Wasserspritzpistole dabei hatte, konnte sich dann damit austoben und dem ein oder anderen dazu verhelfen, dass die Farbe noch besser von der Haut aufgenommen wurde.


Die Leute aus der Society, die zum größten Teil auch schon etwas betagter waren, beließen es allerdings bei der Trockenfarbe und zelebrierten das Fest lieber mit einigen indischen Snacks, einem anschließenden Lunch und einem netten Plausch mit den Nachbarn und Verwandten.
Wie zu Hause bei Mama: gemütliche Sonntagsrunde, nettes Zusammensitzen und den Tag dahinschweben lassen - mit nur einem kleinen Unterschied - Farben über Farben auf Gesicht und Klamotten!





Montag, 14. März 2011

Indien. Indien? Indien! Indien, Indien - Indien; Indien?! Indien...

Total indisch hier! Das ist Indien und so ist indisch. Zu dieser Aussage hat jeder Mensch sein ganz persönliches Bild, seine ganz persönliche Vorstellung.
Ein Bild, das durch Erfahrungen, Erzählungen, Filme, Erlebnisse, Fotos, Bücher, Geschichten, Ausbildung, Bildung und Erziehung, Religion, Herkunftsland, kultureller Hintergrund und vieles mehr geprägt wird.

Indien&Indisch - zwei Worte, die das unmögliche möglich scheinen lassen: Ein Land in Worte zu fassen. Man kann die einzelnen Facetten eines Landes sehen, während ein Land - genau so wie ein Mensch - unbegreifbar und ungreifbar bleibt.

Letzte Woche hat mich ein Mädchen gefragt, warum "wir" - die Ausländer - immer das dörfliche, das "schlechte" Indien fotografieren. Nun ja, Ochsenkarren, Obsthändler, Märkte, offene Kloaken, Kabelchaos, alte Häuser, Müllberge, marode Leitungen.... - sind für uns viel spannender und interessanter als große Malls, wie wir sie von zu Hause kennen.

Trotzdem sollten wir euch, liebe Blogverfolger, diese Indienfacette nicht vorenthalten. Also ganz offiziell: Auch das ist Indien!




Dienstag, 8. März 2011

Ich hab auch für den Abspann bezahlt - Kinogenuss in Indien

Zur Zeit kann sich die Programmlandschaft der Multiplexe in Pune wirklich sehen lassen - die Oscars lassen auch Bollywood nicht kalt.

Mit "Black Swan" schwappte der erste wirklich sehenswerte, englischssprachige Film in die indischen Kinos. Deswegen musste Caros Rückkehr am Samstagabend erst einmal mit einem Kinobesuch gefeiert werden.

Ein Kinobesuch ist eine feine Sache. Hier ein paar Dinge auf die man in den indischen Kinos achten sollte:

- Starke Nerven: es müssen ersteinmal zwei aufeinanderfolgende, völlig uneffiziente Sicherheitskontrollen überwunden werden

 - Bitte konsumieren - und wer zu faul oder unentschieden ist kann dies auch gerne im Kinosaal tun. Hier wird man auch während dem Film versorgt. Keine Sorge, schwache Blasen können in der obligatorischen Pause geleert werden.

- Einmal Strammstehen für die Nationalhyme die vor dem Hauptfilm gespielt wird

- Handyklingeln kommt hier nicht zur Warnung vom Band, sondern wird auch während dem Film gerne toleriert

- Wer zuerst hochspringt hat gewonnen, nach dem Film bitte sofort den Sitz verlassen und den Saal für die Putzteufel räumen.

- Der Cateringservice der Produktionsfirma bleibt unbekannt, weil der Abspann leider vorzeitig ausgeschalten und durch Hindi-Gedudel ersetzt wird.

Achja und "Black Swan" lohnt sich übrigens wirklich. Den Oscar hat sich Natalie Portman absolut verdient.


In diesem Sinne, auf in die Kinosääle aller Welt

Dienstag, 1. März 2011

Bilder sagen mehr...

Leider ging meine Kamera kaputt und meine Fotoaktivität war so sehr eingeschränkt, zum Glück gibt es Mitreisende und ich bin sicher, dass auch Caro nochmal ordentlich nachlegen wird ;-)







Mumbai - Delhi - Bikaner - Jodhpur - Udaipur - Jaipur - Agra - Delhi

Rote Robe, weiße Robe, HIV-Test - der Weg zu Osho?

... einmal bitte ganz genau hinschauen, Marion könnt ihr in diesem "Hotel Very Welcome" Trailer in genau so einer roten Robe bewundern.
Ja, und ihr könnt sogar genau den Ort sehen, den ich am Sonntag besucht habe - den Osho-Ashram in Pune.


... aber halt, Ashram sagt man garnicht mehr. Was früher mal Ashram hieß ist heute das Osho Meditation Resort.

Keine Angst, ich bin nicht unter die Esoteriker gegangen, die Neugier war es, die mich und Meike dazu bewegt hat uns für einen Tag unter die "Oshos" (wie wir sie hier liebevoll nennen) zu mischen.
Die grundlegende Idee der Osho-Lehre ist es, das Leben als Ganzes anzunehmen und all seine Seiten zu lieben und täglich zu feiern. So gehört nach Osho sowohl Askese, Innehalten und Mediation, wie auch Lust, Genuss und Feiern zum Leben dazu.
Pune ist für diesen Ashram berühmt und berüchtigt. In dern 70er Jahren ging Osho als der "Sex-Guru" durch die Medien, wie der ein oder andere Leser wohl schoneinmal gehört haben muss.
Sechs Monate habe ich die "Oshos" in ihren Roben durch Pune, bzw. den Koregaon Park, wandeln sehen. Sechs Monate habe ich wildeste Gerüchte gehört und mich gefragt, was "da drinnen" wohl so abgeht.
Die Neugier hat den Geiz (der Eintritt ist horrend) besiegt und wer ein Jahr in Pune ist, sollte doch den Osho-Ashram mal von innen gesehen haben, oder?

Mit den am Straßenstand günstig erworbenen Roben in der Tasche (in voller Montur einmal queer durch Pune, das wäre mir doch etwas peinlich gewesen...) ging es am Sonntag morgen dann auf zum Osho. Superfreundlich und offen half uns eine deutsche Mitarbeiterin bei der Registrierung. Nach einem Schnell-Aids-test bei einem Arzt, der von seinem Job sichtlich unterfordert und angenervt war, ging es los mit dem "Welcome-Morning".

Tanzenderweise, zum Lied "Love Generation", sollten wir uns in der Gruppe bekanntmachen. Das war schon etwas schräg, aber muss ein ziemlich lustiges Bild gewesen sein.
Danach wurden uns die Regeln im Osho erklärt... Hygieneregeln beim Essen, Öffnungszeiten, und natürlich, dass "hugging" nicht verpflichtend ist. Alles klar soweit.
Danach wurden die beiden wichtigsten Osho-Meditationstechniken und das Osho-Abendtreffen (das Highlight jeden Tages) erklärt und in Kurzform geprobt.

1. Die Osho Dynamic Meditation, die folgende Stufen beinhaltet:

- 10 Minuten "chaotisches" Atmen, was bedeutet wild herumhampelnd, unregelmäßig und mit dem ganzen Körper durch die Nase auszuatmen

- 10 Minuten "Explosion": Während dieser Stufe soll man alles herauslassen und sich erlauben "totally mad" zu sein, was in der Praxis Schreien, Lachen, Kreischen, Weinen, Toben, Zappeln etc. bedeutet.

- 15 Minuten mit hochgestreckten Armen Hüpfen und dazu "hu" rufen

- 15 Minuten in der Position, in der man sich gerade befindet einfrieren

- 15 Minuten "feiern" - tanzend die eigene Dankbarkeit für "alles" ausdrücken.

Zum Glück hat unser Probelauf keine Stunde gedauert, das hätten wir wohl kaum durchgehalten, weil wir nach der 15 - Minuten Version schon ganz schön geschafft und auch ein kleines bisschen entspannt waren.


2. Die Osho-Kundalini Meditation gliedert sich in vier Stufen

-  15 Minuten "Schütteln", dabei soll man die Energie von den Füßen zum Kopf strömen spüren und den Körper zittern lassen

- 15 Minuten Tanzen wie einem zu Mute ist

- 15 Minuten Innehalten (stehend oder sitzend) und beobachten was in und um einen passiert

- 15 Minuten still liegen und entspannen

An dieser Meditation haben wir sogar im Original, in der großen Osho-Pyramide, teilgenommen. Ein bisschen verrückt kam ich mir schon vor zwischen all den Menschen in ihren roten Roben, aber so schlimm war es dann doch nicht - schließlich sah jeder gleich verrückt aus.
Die Meditation selbst fand ich gar nicht so schlecht, auch wenn mir beim "Nichtsdenken" immer die absurdesten Dinge durch den Kopf gehen, hab ich mich hinterher echt entspannt gefühlt.

Naja, die ganze Osho-Anlage ist auch wirklich ein sehr entspannender Ort. Die Anlagen sind wie eine kleine Oase im Dschungel und alles ist ruhig und sauber. Die Füße im Pool baumelnd (Baden durften wir nicht, weil wir keinen roten Bikini hatten :P) konnten wir richtig "Urlaub von Indien" machen, das war wirklich traumhaft. "Urlaub von Indien" ist in dem Fall wirklich ganz treffend, weil die Mehrzahl der "Oshos" nicht aus Indien waren.

Das angebliche Highlight des Tages war dann das Abendtreffen, zu dem wir uns in unsere weißen Roben schmissen. Es war ein fast surreales Bild wie all die Menschen in weißen Roben zur Pyramide strömten - was einheitliche Kleidung so alles bewirken kann ist doch immer wieder erstaunlich und auch ein bisschen erschreckend.
Der erste Teil des Abendtreffens war wieder 15 Minuten tanzend Feiern. Dazu spielte eine wirklich gute Lifeband und geschätzte 150 weiße Männchen hüpften durch die Pyramide. Ich war teilweise ein bisschen an die Radolfzeller Fasnacht und den Hemdglonker erinnert :-)
Danach folgte "Zuhören als Meditation", zuerst der Band, die mit Unterbrechungen spielte und dann eine halbe Stunde Oshos Ausführungen auf Video. Diesen Teil fand ich extrem unmeditativ und anstrengend, weil man ihn wirklich kaum verstehen konnte. Den letzten Teil des Abendtreffens konnte ich leider nicht mehr mitverfolgen, weil ich zum Husten den Raum verlassen musste....

Teuer, interessant und teilweise auch wirklich entspannend war dieser Tag im Osho. Ich bin froh, die berüchtigte Einrichtung mal von Innen gesehen zu haben... so abgedreht wie erwartet war es dann nämlich doch nicht.
















Dienstag, 22. Februar 2011

Prayatna - Ein neues Teilprojekt

Liebe Leserinnen&Leser,

unsere Mühe bei der Suche nach einem neuen Teilzeitprojekt hat sich gelohnt.
Am Dienstag, den 1. Februar sind wir mit unserer Betreuerin Corinna losgezogen um die Schulen, die wir ausfindig gemacht hatten, anzuschauen.

Es war garnicht so leicht die erste (und einzige) Einrichtung zu finden. Die Prayatna School "for people with special need" versteckt sich in einem etwas baufälligen Reihenhaus am hinteren Ende einer Society. Obwohl wir hier jeden Tag vorbeilaufen, ist uns diese Einrichtung noch nie aufgefallen. Kein Wunder, denn an der Straße und auch am Gebäude selbst, weist kein Schild darauf hin, dass sich hier eine Tagesschule für Menschen mit Behinderung befindet.

In der Prayatna School werden von 10:00-15:00 Uhr Kinder und Erwachsene mit unterschiedlichen Behinderungen betreut.
Von der Direktorin wurden wir mit offenen Armen begrüßt und Corinna, Caro und mir war klar, dass wir uns die anderen Einrichtungen nicht mehr anzuschauen brauchen. So konnten wir schon am nächsten Tag in der Prayatna-School anfangen.

Hier geht's zur offiziellen Webseite der Prayatna-School

 Unsere Arbeitswoche ist jetzt also in zwei Abschnitte unterteilt:

Montag und Dienstag sind wir am CLSHM ordnen Akten, organisieren die internationale Konferenz und betreuen Patienten aus dem Ausland


Mittwoch - Freitag sind wir in der Prayatna-School und helfen dort.

Auch wenn dieser Wechsel bedeutet, dass man sich wieder neu einarbeiten und zurechtfinden muss, ist es eine toller Ausgleich zur computerlastigen Arbeit im Zentrum und eine neue Perspektive für die zweite Halbzeit. 










Pune hat mich wieder

Nach einer wunderschönen Geburtstags-Rajasthan-Agra-Delhi-Rundreise bin ich seit Mittwoch abend wieder in Pune und halte hier die Stellung, während Caro mit ihrer Mutter und ihrer Schwester, seit gestern, genau die gleichen Städte bereist.

Es fühlt sich an, als wäre ich viel länger als 13 Tage unterwegs gewesen. Wahrscheinlich, weil ich mal wieder so unglaublich viele schöne, neue, interessante, aufregende und beeindruckende Dinge sehen und erleben durfte, die problemlos sechs Wochen ausfüllen hätten können.

Auch wenn mein Foto an unserer zweiten Station den Geist aufgegeben hat, könnt ihr euch auf  ein paar schöne Bilder freuen - zum Glück hatten meine beiden Mitreisenden noch Kameras dabei.




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