Dienstag, 8. März 2011

Ich hab auch für den Abspann bezahlt - Kinogenuss in Indien

Zur Zeit kann sich die Programmlandschaft der Multiplexe in Pune wirklich sehen lassen - die Oscars lassen auch Bollywood nicht kalt.

Mit "Black Swan" schwappte der erste wirklich sehenswerte, englischssprachige Film in die indischen Kinos. Deswegen musste Caros Rückkehr am Samstagabend erst einmal mit einem Kinobesuch gefeiert werden.

Ein Kinobesuch ist eine feine Sache. Hier ein paar Dinge auf die man in den indischen Kinos achten sollte:

- Starke Nerven: es müssen ersteinmal zwei aufeinanderfolgende, völlig uneffiziente Sicherheitskontrollen überwunden werden

 - Bitte konsumieren - und wer zu faul oder unentschieden ist kann dies auch gerne im Kinosaal tun. Hier wird man auch während dem Film versorgt. Keine Sorge, schwache Blasen können in der obligatorischen Pause geleert werden.

- Einmal Strammstehen für die Nationalhyme die vor dem Hauptfilm gespielt wird

- Handyklingeln kommt hier nicht zur Warnung vom Band, sondern wird auch während dem Film gerne toleriert

- Wer zuerst hochspringt hat gewonnen, nach dem Film bitte sofort den Sitz verlassen und den Saal für die Putzteufel räumen.

- Der Cateringservice der Produktionsfirma bleibt unbekannt, weil der Abspann leider vorzeitig ausgeschalten und durch Hindi-Gedudel ersetzt wird.

Achja und "Black Swan" lohnt sich übrigens wirklich. Den Oscar hat sich Natalie Portman absolut verdient.


In diesem Sinne, auf in die Kinosääle aller Welt

Dienstag, 1. März 2011

Bilder sagen mehr...

Leider ging meine Kamera kaputt und meine Fotoaktivität war so sehr eingeschränkt, zum Glück gibt es Mitreisende und ich bin sicher, dass auch Caro nochmal ordentlich nachlegen wird ;-)







Mumbai - Delhi - Bikaner - Jodhpur - Udaipur - Jaipur - Agra - Delhi

Rote Robe, weiße Robe, HIV-Test - der Weg zu Osho?

... einmal bitte ganz genau hinschauen, Marion könnt ihr in diesem "Hotel Very Welcome" Trailer in genau so einer roten Robe bewundern.
Ja, und ihr könnt sogar genau den Ort sehen, den ich am Sonntag besucht habe - den Osho-Ashram in Pune.


... aber halt, Ashram sagt man garnicht mehr. Was früher mal Ashram hieß ist heute das Osho Meditation Resort.

Keine Angst, ich bin nicht unter die Esoteriker gegangen, die Neugier war es, die mich und Meike dazu bewegt hat uns für einen Tag unter die "Oshos" (wie wir sie hier liebevoll nennen) zu mischen.
Die grundlegende Idee der Osho-Lehre ist es, das Leben als Ganzes anzunehmen und all seine Seiten zu lieben und täglich zu feiern. So gehört nach Osho sowohl Askese, Innehalten und Mediation, wie auch Lust, Genuss und Feiern zum Leben dazu.
Pune ist für diesen Ashram berühmt und berüchtigt. In dern 70er Jahren ging Osho als der "Sex-Guru" durch die Medien, wie der ein oder andere Leser wohl schoneinmal gehört haben muss.
Sechs Monate habe ich die "Oshos" in ihren Roben durch Pune, bzw. den Koregaon Park, wandeln sehen. Sechs Monate habe ich wildeste Gerüchte gehört und mich gefragt, was "da drinnen" wohl so abgeht.
Die Neugier hat den Geiz (der Eintritt ist horrend) besiegt und wer ein Jahr in Pune ist, sollte doch den Osho-Ashram mal von innen gesehen haben, oder?

Mit den am Straßenstand günstig erworbenen Roben in der Tasche (in voller Montur einmal queer durch Pune, das wäre mir doch etwas peinlich gewesen...) ging es am Sonntag morgen dann auf zum Osho. Superfreundlich und offen half uns eine deutsche Mitarbeiterin bei der Registrierung. Nach einem Schnell-Aids-test bei einem Arzt, der von seinem Job sichtlich unterfordert und angenervt war, ging es los mit dem "Welcome-Morning".

Tanzenderweise, zum Lied "Love Generation", sollten wir uns in der Gruppe bekanntmachen. Das war schon etwas schräg, aber muss ein ziemlich lustiges Bild gewesen sein.
Danach wurden uns die Regeln im Osho erklärt... Hygieneregeln beim Essen, Öffnungszeiten, und natürlich, dass "hugging" nicht verpflichtend ist. Alles klar soweit.
Danach wurden die beiden wichtigsten Osho-Meditationstechniken und das Osho-Abendtreffen (das Highlight jeden Tages) erklärt und in Kurzform geprobt.

1. Die Osho Dynamic Meditation, die folgende Stufen beinhaltet:

- 10 Minuten "chaotisches" Atmen, was bedeutet wild herumhampelnd, unregelmäßig und mit dem ganzen Körper durch die Nase auszuatmen

- 10 Minuten "Explosion": Während dieser Stufe soll man alles herauslassen und sich erlauben "totally mad" zu sein, was in der Praxis Schreien, Lachen, Kreischen, Weinen, Toben, Zappeln etc. bedeutet.

- 15 Minuten mit hochgestreckten Armen Hüpfen und dazu "hu" rufen

- 15 Minuten in der Position, in der man sich gerade befindet einfrieren

- 15 Minuten "feiern" - tanzend die eigene Dankbarkeit für "alles" ausdrücken.

Zum Glück hat unser Probelauf keine Stunde gedauert, das hätten wir wohl kaum durchgehalten, weil wir nach der 15 - Minuten Version schon ganz schön geschafft und auch ein kleines bisschen entspannt waren.


2. Die Osho-Kundalini Meditation gliedert sich in vier Stufen

-  15 Minuten "Schütteln", dabei soll man die Energie von den Füßen zum Kopf strömen spüren und den Körper zittern lassen

- 15 Minuten Tanzen wie einem zu Mute ist

- 15 Minuten Innehalten (stehend oder sitzend) und beobachten was in und um einen passiert

- 15 Minuten still liegen und entspannen

An dieser Meditation haben wir sogar im Original, in der großen Osho-Pyramide, teilgenommen. Ein bisschen verrückt kam ich mir schon vor zwischen all den Menschen in ihren roten Roben, aber so schlimm war es dann doch nicht - schließlich sah jeder gleich verrückt aus.
Die Meditation selbst fand ich gar nicht so schlecht, auch wenn mir beim "Nichtsdenken" immer die absurdesten Dinge durch den Kopf gehen, hab ich mich hinterher echt entspannt gefühlt.

Naja, die ganze Osho-Anlage ist auch wirklich ein sehr entspannender Ort. Die Anlagen sind wie eine kleine Oase im Dschungel und alles ist ruhig und sauber. Die Füße im Pool baumelnd (Baden durften wir nicht, weil wir keinen roten Bikini hatten :P) konnten wir richtig "Urlaub von Indien" machen, das war wirklich traumhaft. "Urlaub von Indien" ist in dem Fall wirklich ganz treffend, weil die Mehrzahl der "Oshos" nicht aus Indien waren.

Das angebliche Highlight des Tages war dann das Abendtreffen, zu dem wir uns in unsere weißen Roben schmissen. Es war ein fast surreales Bild wie all die Menschen in weißen Roben zur Pyramide strömten - was einheitliche Kleidung so alles bewirken kann ist doch immer wieder erstaunlich und auch ein bisschen erschreckend.
Der erste Teil des Abendtreffens war wieder 15 Minuten tanzend Feiern. Dazu spielte eine wirklich gute Lifeband und geschätzte 150 weiße Männchen hüpften durch die Pyramide. Ich war teilweise ein bisschen an die Radolfzeller Fasnacht und den Hemdglonker erinnert :-)
Danach folgte "Zuhören als Meditation", zuerst der Band, die mit Unterbrechungen spielte und dann eine halbe Stunde Oshos Ausführungen auf Video. Diesen Teil fand ich extrem unmeditativ und anstrengend, weil man ihn wirklich kaum verstehen konnte. Den letzten Teil des Abendtreffens konnte ich leider nicht mehr mitverfolgen, weil ich zum Husten den Raum verlassen musste....

Teuer, interessant und teilweise auch wirklich entspannend war dieser Tag im Osho. Ich bin froh, die berüchtigte Einrichtung mal von Innen gesehen zu haben... so abgedreht wie erwartet war es dann nämlich doch nicht.
















Dienstag, 22. Februar 2011

Prayatna - Ein neues Teilprojekt

Liebe Leserinnen&Leser,

unsere Mühe bei der Suche nach einem neuen Teilzeitprojekt hat sich gelohnt.
Am Dienstag, den 1. Februar sind wir mit unserer Betreuerin Corinna losgezogen um die Schulen, die wir ausfindig gemacht hatten, anzuschauen.

Es war garnicht so leicht die erste (und einzige) Einrichtung zu finden. Die Prayatna School "for people with special need" versteckt sich in einem etwas baufälligen Reihenhaus am hinteren Ende einer Society. Obwohl wir hier jeden Tag vorbeilaufen, ist uns diese Einrichtung noch nie aufgefallen. Kein Wunder, denn an der Straße und auch am Gebäude selbst, weist kein Schild darauf hin, dass sich hier eine Tagesschule für Menschen mit Behinderung befindet.

In der Prayatna School werden von 10:00-15:00 Uhr Kinder und Erwachsene mit unterschiedlichen Behinderungen betreut.
Von der Direktorin wurden wir mit offenen Armen begrüßt und Corinna, Caro und mir war klar, dass wir uns die anderen Einrichtungen nicht mehr anzuschauen brauchen. So konnten wir schon am nächsten Tag in der Prayatna-School anfangen.

Hier geht's zur offiziellen Webseite der Prayatna-School

 Unsere Arbeitswoche ist jetzt also in zwei Abschnitte unterteilt:

Montag und Dienstag sind wir am CLSHM ordnen Akten, organisieren die internationale Konferenz und betreuen Patienten aus dem Ausland


Mittwoch - Freitag sind wir in der Prayatna-School und helfen dort.

Auch wenn dieser Wechsel bedeutet, dass man sich wieder neu einarbeiten und zurechtfinden muss, ist es eine toller Ausgleich zur computerlastigen Arbeit im Zentrum und eine neue Perspektive für die zweite Halbzeit. 










Pune hat mich wieder

Nach einer wunderschönen Geburtstags-Rajasthan-Agra-Delhi-Rundreise bin ich seit Mittwoch abend wieder in Pune und halte hier die Stellung, während Caro mit ihrer Mutter und ihrer Schwester, seit gestern, genau die gleichen Städte bereist.

Es fühlt sich an, als wäre ich viel länger als 13 Tage unterwegs gewesen. Wahrscheinlich, weil ich mal wieder so unglaublich viele schöne, neue, interessante, aufregende und beeindruckende Dinge sehen und erleben durfte, die problemlos sechs Wochen ausfüllen hätten können.

Auch wenn mein Foto an unserer zweiten Station den Geist aufgegeben hat, könnt ihr euch auf  ein paar schöne Bilder freuen - zum Glück hatten meine beiden Mitreisenden noch Kameras dabei.




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Freitag, 11. Februar 2011

F.C. Road? Aber bitte nicht über die "Sambahji Bridge"!

Ihr werdet es nicht für möglich halten und ich hätte es vor 5 Monaten auch nicht gedacht: Jana und ich haben einen Scooter (also auf deutsch einen Motorroller)! Der ist 6 Jahre alt und heisst Scooty-Pep. Damit fahren wir seit letzter Woche in Pune durch die Gegend und das ist gar nicht mal so schwierig. Am Anfang wussten wir natürlich nicht wie das Ding angeht, weils uns niemand gezeigt hat, aber nach ein paar Tagen erklärte mir dann ein netter Inder, ich soll doch mal die Bremse festhalten und den Schock betätigen - noch ein bisschen Gas geben und er springt an, der kleine Scooty. Jetzt muss man nur noch fahren und sich auskennen. Leider war das bei meiner ersten Spritztour ohne Stadtplan und ohne Papiere ein kleines Problem. Auf der Hinfahrt zur F.C. Road hab ich mich erstmal ein wenig verfahren und kam eine halbe Stunde zu spät zum Treffen mit einer Freundin und auf dem Rückweg wollte ich den direktesten Weg nehmen, bin aber leider über eine Brücke gefahren, auf der Zweiräder nix zu suchen haben. Da war die Polizei nicht weit. Ein Beamter nahm mich gleich mal mit ins Brückenhäuschen und meinte, ich soll doch mal die Fahrzeugpapiere und meinen Führerschein vorzeigen. Leider hatte ich weder das eine noch das andere mit und meinte, ich könnte meine Freundin anrufen, die sie mir vorbeibringt. Dann dachte ich, es könnte nicht schaden, ein wenig auf die Tränendrüse zu drücken und da ich sowieso ziemlich aufgelöst war, viel das Heulen auch nicht schwer. Er schien sichtlich verwirrt zu sein und meinte, ich solle ihm doch 800 Rupies geben und dann wär alles okay. So viel hatte ich aber gar nicht mit und selbst wenn, hätte ich ihm das auch nicht gegeben. Er fragte, wie viel ich ihm denn geben könnte und ich meinte, vielleicht so 200 Rs. Dann einigten wir uns auf 300 (ca. 5 ,-€) und ich durfte, nachdem der nette Polizist das Geld in seiner Tasche verstaut hatte, weiterfahren. So einfach ist das in Indien!
Zum Glück hatte ich noch 100 Rs dabei, um ein wenig aufzutanken, weil ich mich danach nämlich noch mal ordentlich im dichten Abendverkehr verloren hatte und irgendwann durch einen netten Zufall einen Motorradfahrer fand, der mir den Weg bis vor meine Haustür ebnete. Tolle Geste: er verlangte auch keine Gegenleistung, sondern reichte mir nur seine Visitenkarte und meinte ich solle ihn anrufen, falls ich mal wieder in Schwierigkeiten stecke.
Mein Adrenalinspiegel war nach dieser Irrfahrt so hoch, dass mein ganzer Körper vibirierte. Was für ein prickelndes Gefühl. Das hat man nicht alle Tage und so was passiert einem auch nur hier!

Caro allein in Pune

Okay, liebe Leser,

heut ist mal wieder Zeit, um von den neuesten Neuigkeiten zu berichten. Einiges ist passiert seit Jana in Rajasthan unterwegs ist. Ich bin allein, aber eigentlich auch nicht wirklich. Letzten Freitag kam der Vater eines griechischen Patienten in die Klinik und da er ganz allein, nur deutsch und griechisch sprechend und völlig kulturgeschockt war, hab ich ihn, nicht ohne selbst auch ein wenig davon zu profitieren, an die Hand genommen und ihm die Stadt und einige gute Restaurants gezeigt. Er lud mich zum Essen ein und ich fühlte mich an meine ersten Tage in Indien zurück erinnert, in denen ich ebenso unsicher war und alles fremd und komisch erschien. Aber nach dem Wochenende und einem Besuch beim Osho, von dem er mir freudestrahlend berichtete, war der gute Mann wie ausgewechselt und meinte, er könnte es auch noch einige Tage länger hier aushalten. So schlimm wäre Indien ja doch nicht! Trotzdem nahm er erstmal das Flugzeug, um seinem Sohn die hoffentlich wirkungsvolle Medizin zu bringen.
Wieder alleine, war ich durchaus auch in der Lage mal einen Tag und Abend allein zu sein und es war gar nicht schlimm nach 5 Monaten Dauerzweisamkeit. Außerdem hab ich ja auch einiges zu tun, so ganz nebenbei.
Ich bereite also gerade meinen Familien-Rajasthan-Urlaub vor und wälze Reiseführer und, was mich gerade genauso glücklich macht, ist die Theatergruppe des Ranade-Instituts, die seit letzter Woche am Entstehen ist. Ich mache endlich wieder das, was mit am meisten Spaß macht: Theater spielen und Regie führen. Zusammen mit Ilka, die über den DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) in diesem Institut arbeitete, plane ich mit deutschprechenden Studenten ein Projekt zum deutsch-indischen Jahr, dass ab Herbst in Indien stattfindet. Die Leute sind sehr motiviert und offen und ich glaube, dass es sehr gut wird!